Wenn die Umwelt gefährlich wird

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Das Bild kennt jeder: Menschen starren ob in U- oder S-Bahn, in Bus oder Tram gebannt auf ihre Handys als ob gleich – Simsalabim – ein dienstbarer Geist erscheinen würde. Handy und User als unzertrennliche Freunde, für die Gesundheit aber möglicherweise eine gefährliche Freundschaft. Der Strahlung wegen. Und wer gar eine WLAN-Anlage im Schlafzimmer hat, bei dem wird jeder noch so ehrlicher „Gute Nacht“-Wunsch ad absurdum geführt.

Gefahren der Umwelt lauern überall. In solchen Fällen will und kann Präventivmedizin helfen. Ich hatte ersten Kontakt mit der klinischen Umweltmedizin an der Dresden International University (DIU). Dort lernte ich: Für alle in diesem Bereich tätigen Ärzte ist eine individuelle ganzheitliche Therapie Voraussetzung. Sie müssen das praktische „hands on“, die Umsetzung der Prävention in die moderne medizinische Praxis, besonders berücksichtigen. Für mich als behandelnde Ärztin sind so nicht nur die Lebensgewohnheiten meiner Patienten wichtig, auch Beruf, Wohnort, Freizeitbeschäftigung und Familiengeschichte. Intime Kenntnisse dienen zur Vorbeugung und Früherkennung von Krankheiten.

Den Belastungen der Umwelt sind wir täglich ausgesetzt. Beispiele gefällig? Schimmelpilze an Wänden können zu Atembeschwerden oder Schlafstörungen führen, Zierpflanzen wie beispielsweise die beliebte Ficus Benjamini mit ihren orang-roten Früchten lösen hin und wieder allergische Reaktionen aus, Holzschutzmittel enthalten oft Gifte, und Klebstoffe für Teppiche gehören zu den problematischen Bauprodukten. Oft jahrelang atmen Menschen die Lösemitteldämpfe ohne Beschwerden ein, obwohl die Luftbelastung über Monate und Jahre anhalten kann.

Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, doch ist die Gefahrenliste ellenlang. Autoabgase werden in Großstädten eingeatmet, Farbstaubpartikel von Laserdruckern in Großraumbüros gelangen ungehindert in die Atemwege und an Schießständen werden Hände der Schützen oft mit Blei belastet. Die Folgen sind gravierend und nicht selten tödlich.

Aus einem heutigen Haushalt ist Plastik nicht mehr wegzudenken. Wir finden es in Form von Flaschen, Folien, Geschirr oder Campingbesteck. Eines haben diese Materialien gemeinsam. Sie enthalten Weichmacher wie Bisphenol-A mit stark schädigender Wirkung auf die Hormone.

Sie sehen also: Faktoren der Umwelt können die Gesundheit beeinträchtigen. Das Teuflische dabei: Anfangs merken wir es nicht. Und wenn doch, dann helfen Omega-Fettsäuren und Vitamin C-Infusionen auch nicht weiter. In diesem Fall urteilte mein DUI-Dozent Dr. Kurt Müller voller Ironie: „Man hilft dem Humpelnden besser zu humpeln, aber er humpelt weiter. Gesund ist er nicht.“

Ich bin glücklich, klinische Umweltmedizin studiert zu haben. Dabei gilt dem Würzburger HNO-Mediziner Dr. Peter Ohnsorge, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Umweltmediziner, mein aufrichtiger Dank für seine umfassende Wissensvermittlung. Leider ist klinische Umweltmedizin ein Stiefkind an deutschen Universitäten, so dass viele praxisbezogene Kollegen kaum Zugang zu dieser ganzheitlichen Art von Medizin haben. Schade für Patienten.